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Das römische Dorf Mülfort

Das Bodendenkmal „Römischer Vicus Mülfort“ ist bedeutend für die Geschichte von Mönchengladbach sowie für die Region Niederrhein. Der Vicus repräsentiert einen herausragenden und im Rheinland seltenen Typ einer römischen, dorfähnlichen Siedlung.

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Das Gebiet bei Mülfort wurde schon in der Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhundert durch die Römer erkundet. Dies belegen die Gräber eines römischen Kriegers und einer Frau. In den Gräbern wurden ein zweischneidiges eisernes Schwert und ein hölzerner Schild mit eisernen Beschlägen entdeckt. Der Mann mit dem Schwert kann ein einheimischer Kundschafter vom germanischen Stamm der Ubier gewesen sein, die durch die mit ihnen befreundeten Römer vom rechten Rheinufer auf das linke umgesiedelt wurden. Das Motiv für die Gründung Mülforts war der Bau einer wichtigen Straßenverbindung von der Maas, südlich von Roermond, nach Neuss (Novaesium), einem der ersten Römerlager am Rhein. Die Straße entstand 20 v. Chr. Später kamen vermutlich wichtige Römerstraßen aus Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) und über Umwege Xanten (Colonia Ulpia Traiana) dazu, die dieses strategisch wichtige Nadelöhr über die Niers und das sumpfige undurchdringbare Gelände abseits vom Rhein und Maas nutzten.

Umfeld Vicus Mülfort

Die genaue Stelle der Furt (Überquerung), über die Niers, ist unbekannt. Nach neuesten Funden geht man von einem Standort in unmittelbarer Nähe der heutigen Brücke aus. Dort hat man römische Uferbefestigungen gefunden, die darauf zurückzuführen sind.

Vicus Mülfort (≈50 n. Chr. bis 352 n. Chr.)

Vermutlich war Mülfort eine verkehrstechnisch bedeutende Raststation und Pferdewechselstation. Hier lebten Händler und vor allen Handwerker. So wurden Töpfereien, befestigte Getreidespeicher sowie drei Weihedenkmäler für den römischen Gott Jupiter (Jupitergigantensäulen) in Mülfort gefunden. Im Umfeld von Mülfort existierten einige Bauernhöfe (Villa rustica), die aber mit dem sandigen Boden der Gegend schwer zu kämpfen hatten. Dies alles diente der Versorgung sowohl der Bevölkerung als auch der römischen Soldaten am Rhein. Töpfereierzeugnisse aus Mülfort wurden in Funden in Heinsberg, Erkelenz und Wachtendonk entdeckt.

Im Gebiet des Vicus Mülfort lebte seit der Vernichtung der Kelten, die hauptsächlich auf der linken Rheinseite bis nach Belgien und in der Eifel lebten, der um 19/18 v. Chr. von den Römern unter Agrippa angesiedelte germanische Stamm der Ubier. Diese hatten mit Caesar einen Friedensvertrag abgeschlossen und wurden aus ihrem eigentlichen Siedlungsgebiet auf der rechten Rheinseite (Germania magna), das von der Sieg über die Lahn bis zum unteren Main reichte, in das linksrheinische Gebiet (Germania inferior) um Gelduba (heute Krefeld-Gellep-Stratum) und Tolbiacum (heute Zülpich) umgesiedelt.

Einer von drei erhaltenen römischen Ziegelstempeln aus Mülfort
Einer von drei erhaltenen römischen Ziegelstempeln aus Mülfort

Im 2. Jahrhundert n. Chr. war das Straßendorf etwa einen Kilometer lang und es lebten mehrere hundert Menschen dort.

In der direkten Umgebung vom Vicus existierten zahlreiche Höfe. Im 2. Jahrhundert spricht man von 50 Hofstellen. So wurden im heutigen Rheydt im Umfeld der Oberhydener Straße, Keplerstraße, Wilhelm-Strauß-Straße und Geneickener Straße sowie in Genhülsen, Giesenkirchen und Beckrath Reste von römischen Bauernhöfe gefunden. Dort wurde Spelzweizen wie Emmer, Einkorn und Dinkel sowie Saatweizen angebaut. Dazu kamen auch Roggen und Gerste sowie Hülsenfrüchte wie Erbse, Linse und Feldbohne. Auf den Weiden war vor allen das Rind, die Nahrungsquelle der Menschen in der Gegend. Hinzu kam, nur im Herbst, das Schwein auf den Teller der Römer. Schafe wurden wegen ihrer Wolle und für die Milch- und Käseproduktion gehalten.

Am Ende des 2. Jahrhunderts litt das gesamte Römische Reich unter einer Wirtschaftskrise, auch Germania inferior und der Vicus Mülfort. Er wurde kleiner und hatte nur noch eine Länge von 400 Metern. Das Klima am Niederrhein verschlechterte sich und die sandigen Böden am Niederrhein wurden immer unfruchtbarer.

Mülfort wurde 274 n. Chr. von den Franken überfallen. Alle Siedlungsstellen und alle Bauernhöfe, nicht nur im Umfeld von Mülfort, sondern fast überall am Niederrhein, wurden von den Franken überrannt, ausgeplündert und zerstört.

Man versuchte in den Jahren danach trotzdem noch im Umland von Mülfort einzelne Bauernhöfe aufzubauen, aber spätestens 352 n. Chr. wurden die Römer durch den zweiten Frankeneinfall endgültig aus Mülfort und dem gesamten Gebiet Germania inferior vertrieben.

Das Gebiet war danach wohl für mehrere Jahrhunderte nicht mehr bewohnt. Erst um 800 n. Chr. entstand eine Sachsenkolonie unter Karl dem Großen einige Kilometer südlich von Mülfort bei Odenkirchen-Sasserrath sowie das heutige Mönchengladbach im Umfeld des Abteiberges am Fluss Gladbach.

Römische Straßenverbindungen

Durch Mülfort verliefen im Laufe der Zeit einige wichtige Straßenverbindungen. So konnten die Römer von hier aus unbeschadet von Neuss (Novaesium) in Richtung Melick an der Roer (Mederiacum) und weiter an der westlichen Seite der Maas nach Maastricht und Tongern. So konnten relativ sicher Truppen und Waren schnell vom römischen Galien zu den Römerlagern am Rhein gelangen. Die Straßenverbindung war 6 bis 7,5 Meter breit, mit Sand befestigt und besaß auf beiden Seiten einen Wassergraben. Es sind Reste der römischen Straßenbaus in Geistenbeck, Hockstein, Rheindahlen, Beeck und Arsbeck gefunden worden

Spuren der Römerzeit

Einheimischen fällt bei dem Begriff „Römer in Mönchengladbach“ sofort die Hochhaussiedlung Römerbrunnen ein, die aber in Wirklichkeit nur am östlichen Rand des Vicus Mülfort lag und bis auf eine Nachahmung eines Römerbrunnens, der vor einem der Hochhäuser steht, nichts mit den historischen Gegebenheiten zu tun hat. Anders sieht es in Mülfort, im Umfeld der Dorfstraße und Altmülfort, aus. Hier deutet der Straßennamen „Am Römerlager“ auf ein Militärlager der Römer hin, was der Vicus aber nie war. Im Umfeld dieser Straßen haben Archäologen zahlreiche römische Funde gemacht. Auch die Straße „Grüner Weg“ etwas südlich von Mülfort, der heute wie eine Landwehr aussieht, dürfte ein Teil der wichtigen Römerstraße nach Neuss gewesen sein. Der kleine asphaltierte Feldweg „Beller Feld“ oder „Eickeshecker Weg“ dürfte die römische Straße in Richtung Köln sein. Wie exakt die römischen Straßen aber genau verliefen, ist bis auf ein paar Stellen in Mülfort sowie Einzelfunde in Giesenkirchen, Rheindahlen und Hockstein leider nicht eindeutig nachvollziehbar. Sichtbare Funde und Hinweise sind in Mülfort nicht zu erkennen.

Lageplan Mülfort
Mülfort 2022
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